Dezember 2020: Die Traditions-Bäckerei Eberl

Ausgangslage

Bereits 1649 wurde im beschaulichen Bichl in Bayern der Traditionsbetrieb Eberl gegründet und versorgt heute lückenlos in der 15. Generation die Region mit hochwertigen Backwaren. Zu den aktuell 85 Angestellten gehören auch sechs sich derzeit in Ausbildung befindende Lehrlinge sowie vier Asylbewerber. Der Geschäftsführer Josef Eberl sen. schafft mit seinem Unternehmen vorbildlich den Spagat zwischen Tradition und Moderne: „Wie zur Zeit meines Urgroßvaters legen wir besonderen Wert auf die handwerkliche Herstellung aller Produkte und beste Rohstoffe aus unserer Region“, erläutert er. Obwohl man der traditionellen Herstellung treu geblieben ist, gehört die technische Ausstattung vor Ort zu den modernsten ihrer Art – sie ist aber nicht auf Leistung getrimmt, sondern stellt Energieeffizienz und Umweltschutz in den Vordergrund – Aspekte, die für die Firmenphilosophie der Eberls von besonderer Bedeutung sind.

Maßnahmen

Im Laufe der Jahre hat die Bichler Bäckerei bereits über eine halbe Million Euro in Umwelt- und Energieeffizienzmaßnahmen investiert. Schon vor über zehn Jahren wurde das Umweltmanagementsystem EMAS eingeführt („Eco-Management and Audit Scheme“) und man hat sich die kontinuierliche Verbesserung des eigenen Unternehmens auf die Fahnen geschrieben; die Bäckerei ist außerdem Mitglied im Umweltpakt Bayern.

Wärme und elektrische Energie liefert bereits seit mehr als 20 Jahren ein eigenes Blockheizkraftwerk (Leistung: 55 kW thermisch / 30 kW elektrisch), das zunächst mit Öl und seit 2017 mit Flüssiggas betrieben wird. Als wichtiger Baustein des Gesamtsystems wurde dazu ein Pufferspeicher installiert, der die produzierte Wärme des Blockheizkraftwerk aufnimmt und ebenfalls die Wärmerückgewinnung aus den eingesetzten Kühlmaschinen ermöglicht. Er speist zudem die Fußbodenheizung und auch die Spülmaschinen sind an den Warmwasserkreislauf angeschlossen. Die Klimatisierung der Betriebs- und Büroräume erfolgt über eine eigene Absorptionskälteanlage, die heißes Wasser in Kaltes umwandelt. Auch die Umstellung der betrieblichen Beleuchtung wurde bereits vor einiger Zeit angestoßen und wird seitdem Stück für Stück umgesetzt.

Zu den Besonderheiten des Betriebs zählt die Rauchgas-Waschanlage: Abgase gehen nicht einfach durch den Kamin in die Luft, sondern werden zunächst durch Wasser geleitet, welches Feinstoffe wie Ruß, Schwefelverbindungen und Schwermetalle bindet. Das Wasser nimmt dabei zudem auch die Wärme der Rauchgase auf und speist diese in den Pufferspeicher ein.

Ergebnis

Das Blockheizkraftwerk generiert etwa 75 – 80 % des jährlich benötigten Stroms (ca.  200.000 kWh) und versorgt neben der Bäckerei auch das eigene benachbarte Café. Mit der Absorptionskälteanlage wird im Sommer der Heißwasserüberschuss von 80 auf 8 Grad heruntergekühlt und so werden die Räume klimatisiert (Backstube, Laden, Lager, Café). Im Winter unterstützt die Anlage die Heizung.

Die Rauchgas-Waschanlage reduziert insbesondere den klimaschädlichen CO2-Ausstoß der betriebseigenen Backöfen um bis zu zwei Drittel. Die Abgase, die dann aus der Bäckerei strömen, sind umweltfreundlich. Was in der Waschanlage hängen bleibt (ca. 15 Kilogramm pro Jahr) wird später als Sondermüll von einer Spezialfirma entsorgt.

In der ersten Jahreshälfte 2021 soll eine Photovoltaikanlage installiert werden, die zukünftig einen Teil des benötigten Stroms regenerativ bereitstellen wird. Zudem ist die Umstellung des Fuhrparks auf E-Fahrzeuge fester Bestandteil der Zukunftsplanung. Eine Förderzusage liegt bereits vor.

2010 hat die Bäckerei mit ihrem Portfolio den Wirtschaftspreis des Landkreises gewonnen.

Best-Practice Archiv

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Kontakt:

Servicestelle Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz

Michel Durieux

durieux(at)zdh.de

Telefon: 030 206 19 267

Café und Firmensitz der Traditionsbäckerei Eberl
Das Flüssiggas-Blockheizkraftwerk der Bäckerei Eberl

Die Rauchgaswaschanlage der Traditions-Bäckerei Eberl

Partner der Mittelstandsinitiative

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Deutsscher Industrie und Handelskammertag Zentralverband des deutschen Handwerks