IHK-Energiewende-Barometer – Unternehmen packen’s an, Skepsis bleibt

23.09.2013

Die Wirtschaft stellt sich der Energiewende, blickt aber mit Sorge auf die politischen Rahmenbedingungen. Steigende Energiepreise und Risiken bei der Versorgungssicherheit werden von vielen Unternehmen als Gefahr für die eigene Wettbewerbsfähigkeit eingestuft. Das sind die zentralen Ergebnisse des zweiten IHK-Energiewende-Barometers, an dem sich 2.400 Betriebe aller Größenklassen, Branchen und Regionen in Deutschland beteiligt haben.

Auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 bewerten die Unternehmen die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit mit minus 10,7 minimal besser als im Herbst 2012. Lediglich 16% schätzen die Auswirkungen der Energiewende als positiv oder sehr positiv für das eigene Unternehmen ein. Die insgesamt skeptische Einschätzung hängt vor allem mit steigenden Energiepreisen und Befürchtungen hinsichtlich der Versorgungssicherheit zusammen.

 

Mittelstand unter Wettbewerbsdruck

Über alle Unternehmensgrößen hinweg wird die Energiewende als eine Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit eingeschätzt, macht sich aber unterschiedlich intensiv bemerkbar. Wie im vergangenen Jahr zeigt sich eine besondere Betroffenheit des Mittelstands, der die Auswirkungen auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit negativer als Großunternehmen und Kleinunternehmen sieht. Betriebe mit 250 bis 499 Mitarbeitern schätzen die Auswirkungen im Schnitt mit minus 15 ein. Für Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von 20 bis 249 liegt die durchschnittliche Bewertung noch etwas negativer bei minus 16,5. Dennoch sind die Werte des Barometers gegenüber 2012 parallel zum allgemeinen Trend um einen bzw. 2,5 Punkte gestiegen.

Entsprechend ist auch der Anteil der Unternehmen, die positive Auswirkungen auf ihr Unternehmen sehen, mit 12,5 % bzw. 17,7 % zwar niedrig, hat sich aber gegenüber 2012 (jeweils 10 %) erhöht. Gleichzeitig ist der Anteil der negativ Betroffenen im Mittelstand mit 38 bzw. 39 % nach wie vor deutlich größer. Gerade für mittelständische Unternehmen fallen die Belastungen der Energiewende also weiter stark ins Gewicht; Chancen sind für sie schwerer zu realisieren: An die durch die Energiewende ausgelösten Umbrüche können viele von ihnen sich nicht so schnell anpassen; die Finanzierung von Innovationen stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Gleichzeitig stehen aber auch viele von ihnen mit hochspezialisierten Produkten im globalen Wettbewerb, können aber von Entlastungen wie der besonderen Ausgleichsregelung weniger oder gar nicht profitieren. Als Zulieferer stehen sie unter hohem Kostendruck und können Kostenerhöhungen nur begrenzt an ihre Kunden weitergeben bzw. kompensieren.

 

Die Wirtschaft handelt

Die Unternehmen lassen sich aber nicht entmutigen. Die Antworten belegen das: Die Wirtschaft nimmt die Herausforderung an. Maßnahme Nummer 1 ist die weitere Steigerung der Energieeffizienz. Der Anteil der Unternehmen mit bereits realisierten Maßnahmen hat sich seit 2012 fast verdoppelt (von 9 % auf 17 %), auch der Anteil der Unternehmen mit laufenden Maßnahmen ist angestiegen (von 35 % auf 38 %). Insgesamt setzen vier von fünf Unternehmen auf Energieeffizienz – und damit noch mehr als im Vorjahr (3 von 4). Die Maßnahmen reichen von der Mitarbeiterqualifizierung über die Einführung von Managementsystemen bis hin zur Teilnahme an Effizienznetzwerken.

Energieeffizienz umfasst auch noch einen zweiten Aspekt: Immer mehr Unternehmen setzen systematisch auf energieeffiziente Produkte und Dienstleistungen, z. B. den Einsatz recycelter Rohstoffe oder die intelligente Kopplung von Servern zum Datenmanagement. Doppelt so viele Betriebe wie 2012 haben solche Maßnahmen ergriffen (Steigerung von 5 % auf 9 %). Energieeffizienz wird also zu einem wichtigen Handlungsfeld, um sich im Wettbewerb zu behaupten.

Immer mehr Unternehmen setzen auch auf Eigenerzeugung: Kostenvorteile durch geringere Abgaben, eine höhere Versorgungssicherheit sowie die langfristige Planbarkeit der eigenen Strompreise sind die Treiber dieser Entwicklung. Zwei von fünf Unternehmen erzeugen bereits Strom selbst oder planen dies. Erneuerbare Energien stehen dabei höher im Kurs als fossile Energieträger.

 

Koordination der Energiewende verbessern

Zwei Drittel der Unternehmen haben derzeit den Eindruck, dass die Abstimmung der politischen Ziele und Maßnahmen innerhalb der Bundesregierung aber auch mit und zwischen den Bundesländern verbessert werden muss.

Im Bereich der Energieeffizienz helfen den Unternehmen eher Beratung und Unterstützung von Seiten der Politik (34 %) als gesetzliche Vorgaben für Energieeffizienz (18 %).
Der Umgang mit Energie ist ureigene Aufgabe des Managements eines Unternehmens und nicht der öffentlichen Hand. Ein wichtiger Schlüssel dafür ist der Einsatz neuer Technologien.

Um die Unternehmen in diesem Bereich zu unterstützen hat die IHK-Organisation gemeinsam mit den Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt sowie dem Handwerk die „Mittelstandsinitiative Energiewende“ gegründet. Ziel ist es, die Kommunikation der Themen in Richtung Mittelstand zu verbessern und gemeinsame neue Angebote zur Hilfe und Unterstützung zu entwickeln. Wenn Bund, Länder und Wirtschaft konstruktiv zusammenarbeiten, dann kann das Generationenprojekt Energiewende tatsächlich gelingen und Deutschland wirklich energiepolitisches Vorbild für andere Staaten sein!

Das komplette IHK-Energiewende-Barometer zum Download hier.

(han)

Partner der Mittelstandsinitiative

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Deutsscher Industrie und Handelskammertag Zentralverband des deutschen Handwerks
Nehmen Sie Kontakt auf!

DIHK Service GmbH
Breite Straße 29
D-10178 Berlin

Telefon: 030 20308-0
Fax: 030 20308-1000
duarte-martins.sara(at)dihk.de